Absolut Analog

Visual Storytelling: Lookentwicklung & -konzeption

Digitale Kameras, Film-Emulationen und generative Bildwerkzeuge eröffnen nahezu unbegrenzte Möglichkeiten der Bildmanipulation. Gerade deshalb lohnt sich umso mehr der Blick auf analoge Verfahren: nicht als nostalgische Stilkopie, sondern als Schule des Sehens und Entscheidens. Fotochemische Bilder entstehen aus einer Kette konkreter Ursachen – Emulsion, Belichtung, Optik, Licht, Entwicklung, Kopie und Kopierung. Wer diese Zusammenhänge versteht, kann auch digitale Looks bewusster, konsistenter und erzählerisch begründet entwickeln.

Das Wofür?
Für mich gilt: Inhalt sucht und definiert seine Form. Ein Look ist keine dekorative Oberfläche, sondern Teil der Dramaturgie. Er prägt, wie wir Figuren, Zeit, Milieu, Erinnerung, Körperlichkeit und emotionale Temperatur wahrnehmen. Das Seminar untersucht deshalb nicht nur, wie ein Effekt entsteht, sondern warum eine Geschichte ihn braucht. Wir vergleichen echte fotochemische Ergebnisse mit digitalen Übersetzungen und fragen: Was lässt sich überzeugend übertragen – und welche Qualität bleibt untrennbar mit Material, Zufall und Prozess verbunden?

„The old-school principles support and guide the new-school opportunities

old-school

Lernziele und Arbeitsweisen
Die Teilnehmenden entwickeln einen Look nicht aus einem Preset, sondern aus einem erzählerischen Aussagewunsch. Learning by Doing wird dabei didaktisch strukturiert, praktisch erprobt und gemeinsam reflektiert. Nicht der auffälligste Effekt gewinnt, sondern die Lösung, die Inhalt, Material und Produktionsrealität am überzeugendsten verbindet und wiederspiegelt.

Themenfelder „Absolut Analog“:

  • Negativ- und Umkehrfilm, Emulsion, Belichtungsspielraum, Korn, Farbwiedergabe und Hautton
  • Push-/Pull-Prozesse, Über- und Unterbelichtung sowie bewusste Fehlbelichtung
  • Bleach Bypass und historische Restsilberverfahren wie ENR, ACE und ASR
  • Cross Process und umgekehrter Cross Process
  • Flashing / Vorbelichtung sowie kontrollierte Schleier- und Kontrastgestaltung
  • Vintage-Optiken, Diffusion, Filter, Reflexe, Halation und In-Camera-Texturen
  • Kopierung, Printer-Lights-Denken, Log-Workflows, Color Management und Display Transform
  • Digitale Film-Emulation: Grain, Halation, Bloom, Gate Weave & co.

 

Empfohlenes Format: drei Präsenztage in zwei Blöcken mit Labor-/Scanphase dazwischen; ideal für 4 bis 12 Teilnehmende. Umfang und Verfahren werden an Hochschule, Laborzugang, Budget und Materialverfügbarkeit angepasst.