AI Lab – Visual Storytelling

Filmisches Erzählen, wenn KI alles generieren kann?

Filmschaffen hat sich schon immer verändert und weiter entwickelt. Mit generativer KI setzt sich nun eine Reihe weiterer Umbrüche fort und verändert schneller als je zuvor die Möglichkeiten filmisch Geschichten zu erzählen. Sie verschiebt Entscheidungen, die bisher zum Kern der Dreharbeiten gehörten: Ort, Licht, Tageszeit, Motiv, Kamerabewegung und inzwischen selbst Performance. Aus „fix it in post“ kann „decide it in post“ werden. Greybox-/Neutral-Stage-Shootings, generative Set-Erweiterung, neue Kamerawinkel, Performance-Transfer und digitale Lichtsetzung lassen die Aufnahme selbst zunehmend zu einem veränderbaren Zwischenzustand werden. Was bedeutet filmisches Erzählen, wenn der Moment der Aufnahme nicht mehr die grundsätzliche Bildentscheidung ist?

Der Workshop – wofür?

Dieses Seminar ist weder Tool-Show noch Abgesang auf ein old-school-filmmaking. Es unterscheidet drei Ebenen: Was kann ein KI-Tool tatsächlich? Was versprechen Produktionsmodelle wie AI Hybrid-Workflows? Und was verändert sich dadurch gestalterisch, sozial und beruflich? Die Ängste gehören ausdrücklich dazu: Jobverlust, kleinere Crews, Entwertung von Set-Erfahrung, permanente Umschulung, unklare Autorenschaft sowie eine mögliche ästhetische Vereinheitlichung. Für mich gilt aber weiterhin: Inhalt sucht und definiert seine Form. Die Gegenfrage lautet deshalb: Welche Fähigkeiten werden durch KI wertvoller, gerade weil sie nicht automatisierbar sind – Wahrnehmung, Geschmack, Schauspielarbeit, Intuition, Verantwortung und die Fähigkeit, mit Menschen unter realen Bedingungen ein Bild entstehen zu lassen?

„Wenn alles veränderbar ist, wird die Entscheidung, was nicht verändert werden soll, zur Autorenschaft.”

Lernziele und Arbeitsweisen:

Die Teilnehmenden entwickeln eine kurze Szene für eine Greybox-/Neutral-Stage. Dazu sollen aber im Vorfeld der fotografische Stil mit Moods, das Set-Design und die Requisiten mit Referenzbildern definiert werden. Neben den Dreharbeiten wird die Entscheidungskette dokumentiert: Was war am Set bewusst gesetzt, was wurde später verändert und was vollständig generiert? Bewertet werden Wirkung, Kontinuität, Verantwortung und Zusammenarbeit. Das Seminar trainiert Urteilskraft in einem Feld, in dem Fähigkeiten schneller wachsen als belastbare ästhetische, rechtliche und berufliche Regeln.

  • Die klassische Lookentwicklung als human-driven Grundgerüst auch für KI nutzen: 12 Gestaltungselemente der Look-Toolbox als Basis für generative KI.
  • Zwischen technischer Fähigkeit, Workflow-Versprechen und tatsächlicher gestalterischer Konsequenz zu unterscheiden – und zu fragen, welche Entscheidungen vom Set in die Post wandern und wo die kreative Verantwortung der Kreativen bleibt.
  • Greybox/Neutral Stage gegen Location, Setbau, Chroma Key und LED-Volume abzuwägen, ohne einen nicht standardisierten Workflow zum neuen Standard zu erklären.
  • Digitale Lichtsetzung nach dem Dreh zu testen und physikalische Grenzen bei Schattenwurf, Reflexionen, Transparenzen, Materialität.
  • Human Craft bewusst zu benennen: Beobachtung, Empathie, Timing, produktiver Zufall, körperliche Set-Erfahrung, Teamführung, Geschmack und Verantwortung für Wirkung
  • Autorenschaft: IMAGO, IATSE/SAG-AFTRA und C2PA als Gegenpole zu reinen Effizienz-Narrativen.

Human-driven Looktool-Box als Steuerungsebene. Die aus „Ästhetik & Bildsprache“ bekannten Werkzeuge der visuellen Umsetzung bleiben auch für KI gültig. Ihre zwölf Punkte strukturieren nun zusätzlich Prompts, Referenzbilder und Video-to-Video-Transformationen. Je klarer die Bildidee vor dem Tool, desto klarer bleibt die Gestaltung menschlich geführt. Kommende Filmschaffende übernehmen so weiterhin die Verantwortung für die Gesamtkette der visuellen Umsetzung.

Positionen aus der Branche

– IMAGO (2026): technischer Fortschritt ja – cinematografische Autorenschaft beruht auf menschlicher Vision, Zusammenarbeit und kreativer Verantwortung.
– Cine Gear/ASC-Debatte (2025): reale Existenzängste treffen auf eine pragmatische Haltung: KI dort einsetzen, wo sie Sinn ergibt; Publikum sucht weiterhin menschliches Erleben.
– IATSE & SAG-AFTRA: Weiterbildung und neue Tools ja, aber nicht als Umweg um Jobs, Consent, Vergütung oder Schutz von Performances und digitalen Repliken.
– C2PA/Content Credentials: Provenance kann Entstehung und KI-Veränderungen dokumentieren – sie beweist nicht Wahrheit. Für Cinematography entsteht damit eine neue „chain of image“

Empfohlenes Format: Zwei bis drei Tage Präsenzworkshop als AI-Lab für bis zu 12 Teilnehmende und der Unterstützung des Regisseurs und LegendariumAI-Gründers Radek Wegrzyn.