Multiple-Camera Coverage
Bildgestaltung mit mehreren Kameras am szenischen Set
Zwei oder mehr Kameras gehören heute zum Alltag von Kino-, Serien- und Streamingproduktionen. Sie können Drehpensen absichern, spontane Dialoge bewahren, Stunts aus mehreren Perspektiven erfassen und Schauspielerinnen und Schauspieler kontinuierliches Spiel ermöglichen. Gleichzeitig entstehen neue gestalterische Risiken: unklare Blickachsen, beliebige Brennweiten, flaches Licht, Tonprobleme und Coverage ohne Haltung. Multiple-Camera Coverage ist deshalb keine reine Effizienzstrategie, sondern eine anspruchsvolle Form gemeinsamer Inszenierung.
Der Workshop – wofür?
Für mich gilt: Inhalt sucht und definiert seine Form. Eine zweite Kamera ist nur dann sinnvoll, wenn sie eine eigene dramaturgische Aufgabe erfüllt. Das Seminar untersucht, wie A- und B-Kamera als ein gemeinsames visuelles System gedacht werden. Welche Perspektive trägt die Szene? Wann erzeugt Gleichzeitigkeit Authentizität, Spannung oder Unwiederholbarkeit? Wann schwächt zusätzliche Coverage die Präzision von Spiel, Blickachsen, Licht und Raum? Ziel ist eine Strategie, die Performance, Bildgestaltung, Schnitt und Produktionsrealität verbindet – ohne die B-Kamera zur bloßen Resteverwertung werden zu lassen.
„Two cameras should create one visual idea – not two compromises.”
Lernziele und Arbeitsweisen
Die Teilnehmenden entwickeln Multi-Camera-Setups aus Szene, Figurenperspektive und Schnittlogik. Analyse, Floorplan, Lichtkonzept, technische Probe, Dreh und Montage werden als zusammenhängender Prozess verstanden. Anhand ausgewählter Fallstudien und einer praktischen Dialogszene wird sichtbar, wie parallele, komplementäre oder gegeneinander gerichtete Coverage das Spiel und die emotionale Wirkung verändert. Nicht die maximale Zahl an Einstellungen gewinnt, sondern ein System, in dem jede Kamera eine begründete Aufgabe besitzt.
Diesen und weiteren Fragen widmet sich das Seminar „multipe-camera coverage“. Anhand der Streamingserien “4 Blocks ZERO”, “PARA – Wir sind King” und “SCHATTENSEITE” schildert DoP Matthias Bolliger seine inszenatorischen und gestalterischen Ansätze im Umgang mit zwei Kameras. Eine umzusetzende Szene mit zwei Darstellern / Darstellerinnen im Multi-Kamera Setup runden den Workshop für die Studierenden ab.
Auf folgende Punkte fokussiert sich der Workshop:
- eine Szene daraufhin zu beurteilen, ob und warum mehrere Kameras erzählerisch sinnvoll sind
- A-, B- und gegebenenfalls C-Kamera dramaturgisch zu priorisieren und nicht nur technisch zu verteilen
- Achsen, Eyelines, Bildgrößen, Brennweiten, Distanz und Raumkontinuität im Doppel-Setup zu kontrollieren
- Licht für mehrere Blickrichtungen zu gestalten, ohne Atmosphäre, Plastizität und Gesichtsführung zu verlieren
- Spiel, Blocking, Fokus, Originalton, Ausstattung, VFX und Anschluss als gemeinsames System zu koordinieren
- Floorplan, Camera Map, Shotlist, Lichtplan und Multiview-Monitoring als Kommunikationsmittel einzusetzen

Empfohlenes Format: drei Präsenztage mit Analyse, Planung, Probe, Dreh und Schnittauswertung; ideal für 6 bis 12 Teilnehmende. Fünf Tage ermöglichen zusätzliche Coverage- und Lichtvarianten.